Das Problem mit den Milchprodukten – Diagnose Laktoseintoleranz

 In Uncategorized
  • Vorkommen der Laktoseintoleranz
  • Was versteht man unter einer Laktoseintoleranz?
  • Ursachen eines Laktasemangels
  • Überblick über die verschiedenen Formen der Laktoseintoleranz
  • Symptome der Laktoseintoleranz
  • Diagnose
  • Behandlung
  • Kalziummangel durch zu wenig Milchprodukte?

Vorkommen der Laktoseintoleranz

Von einer Laktoseintoleranz ist in Deutschland etwa jeder Siebte betroffen, dass entspricht rund 12 Millionen Menschen. Die Verdauungsstörungen werden durch eine Unverträglichkeit gegen den in Milch und Milchprodukten enthaltenen Zucker Laktose ausgelöst.

Eine Laktoseintoleranz ist bei kleinen Kindern unter fünf Jahren eher selten anzutreffen. Dies ist lässt sich evolutionsbiologisch auf die wichtige Rolle der Milch im Kindesalter zurückführen. Meist entwickelt sich die Intoleranz gegenüber dem Milchzucker demnach erst im Jugend- und Erwachsenenalter, wenn Milch nicht mehr zentraler Nährstofflieferant der Ernährung ist.

Weltweit gehört die Laktoseintoleranz zu den häufigsten Unverträglichkeiten. Hervorzuheben sind die regionalen Unterschiede die bei der Prävalenz einer Laktose-Intoleranz beobachtet werden können. Besonders ausgeprägt zeigt sich hierbei ein Nord-Süd-Gefälle. Im Norden beispielsweise in Schweden ist die Prävalenz für eine Laktoseintoleranz mit 5 Prozent sehr gering, in Deutschland sind ungefähr 14 Prozent betroffen, in Süditalien bereits 68 Prozent und in einigen Teilen Afrikas und Asiens vertragen sogar mehr als 80 Prozent keine Milchprodukte. Diese Unterschiede haben wahrscheinlich mit sowohl genetische als auch regionale Essgewohnheiten zu tun.

Es ist zu vermuten, dass die Zahl der Betroffenen mit Laktoseintoleranz in den nächsten Jahren noch ansteigen wird, da zunehmend der Konsum von Milch und Milchprodukten und damit vom Milchzucker Laktose ansteigt.

Was versteht man unter Laktoseintoleranz?

Der Milchzucker auch unter dem Begriff Laktose bekannt, ist der in allen Milch und Milchprodukten natürlich enthaltene Zuckeranteil. Wenn man Laktose genauer betrachtet, dann stellt man fest, dass Laktose ein Zweifachzucker ist. Er setzt sich aus zwei verschiedenen Einfachzuckern zusammensetzt. Die Einfachzucker Galaktose und Glukose sind die Bausteine, die letztendlich die Laktose bilden. Damit unser Körper den Milchzucker verwerten kann, muss er während dem Verdauungsprozess in seine Einzelzucker aufgespalten werden. Für diese Aufspaltung ist das Verdauungsenzym Laktase zuständig, welches im Dünndarm gebildet wird. Bei einer Laktoseintoleranz produziert der Körper nicht genügend Laktase, sodass die Milchzuckermoleküle gar nicht oder nicht vollständig gespalten werden können. Die Laktose kann in ihrem ungespaltenen Zustand nicht über die Dünndarmschleimhaut ins Blut aufgenommen und demnach auch nicht vom Körper verstoffwechselt werden. Dies hat zur Folge, dass die unverdaute Laktose in den Dickdarm gelangt.

Der Dickdarm ist mit unzählig vielen Bakterien besiedelt. Diese Bakterien übernehmen im Dickdarm nun die Verdauung der Laktose. Bei diesem Prozess entstehen unter anderem Gase wie Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid. Aber auch organische Säuren wie Milch- und Essigsäure sind Nebenprodukte der Verdauung von Laktose im Darm. Die Gase führen zu krampfartigen Blähungen und die Säuren regen die Darmbewegung an. Hier machen sich dann die typischen Beschwerden einer Laktoseintoleranz bemerkbar.

Ursachen eines Laktasemangels

Es werden verschiedene Ursachen diskutiert, warum der Körper mancher Menschen weniger oder gar keine Laktase produziert. In sehr seltenen Fällen ist ein angeborener Enzymdefekt dafür verantwortlich, dass bereits Babies keine Laktase bilden können. Unbehandelt kann diese Form des Laktasemangels schwere gesundheitliche Folgen haben. 

Andere Formen der Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker sind deutlich harmloser. Verschiedenste Untersuchungen konnten aufzeigen, dass die Produktion der Laktase mit zunehmendem Alter abnimmt. Dieser natürliche Prozess lässt sich damit erklären, dass Säuglinge auf die Spaltung des Milchzuckers in der Muttermilch angewiesen sind, damit sie ihr Hauptnahrungsmittel richtig verdauen können. Sobald die Muttermilch durch andere Lebensmittel abgelöst wird, lässt sowohl die lebenswichtige Bedeutung der Laktase, als auch ihr Vorkommen in der Ernährung nach. Diesen natürlichen Rückgang der Konzentration an Laktase fässt man unter dem Begriff primärer Laktasemangel zusammen. Ein solcher primärer Laktasemangel führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Laktoseintoleranz. Nur wenn die Laktaseaktivität zu einem hohen Maße eingeschränkt ist, treten Magen-Darm-Beschwerden auf. 

Neben dieser Form der Intoleranz kann auch eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes zu einer gestörten Laktaseproduktion beitragen. Hier spricht man von einem sekundären Laktasemangel. Häufig bildet sich die Laktoseintoleranz zurück, wenn die zugrunde liegende Erkrankung entsprechend behandelt wird.

Formen der Laktoseintoleranz

  • angeborene Laktoseintoleranz oder auch kongenitaler Laktasemangel genannt: Ein angeborener Laktasemangel tritt sehr selten auf. Betroffene können von Geburt an keine Milch und Milcherzeugnisse vertragen. Grund dafür ist, dass sie keine oder nur sehr wenig von dem Enzym Laktase produzieren. Diese Form des Laktasemangels beruht auf einer genetischen Veranlagung und wird dementsprechend vererbt. Da insbesondere Muttermilch essentiell für die gesunde Entwicklung eines Säuglings ist, ist ein solcher Mangel mit Wachstums- und Entwicklungsstörungen zu assoziieren.

 

  • eine sekundäre Laktoseintoleranz entsteht meist aus Erkrankungen des Verdauungssystems heraus. Krankheiten wie z.B. Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa beschädigen die Dünndarmschleimhat und können demnach auch die laktaseproduzierenden Zellen so beschädigen, sodass die Spaltung von Milchzucker nur noch ungenügend funktioniert. So kommt es dazu, dass eine vorübergehende Laktoseintolernaz eintritt. In der Regel bildet sich die Intoleranz zurück, wenn auch die ursächliche Krankheit behandelt wird. Nur in seltenen Fällen manifestiert sich eine lebenslange Laktoseintolernaz. Auch Medikamente wie z. B. Antibiotika oder Zytostatika können unter Umständen einen sekundären Laktasemangel hervorrufen. Des Weiteren gelten auch Lebensmittelunverträglichkeiten wie die Fruktoseintoleranz oder ein sogenanntes Reizdarmsyndrom als Faktoren, die ggf. zur Entstehung eines sekundären Laktasemangels führen können.

 

  • physiologischer Laktasemangel, primäre Laktoseintoleranz oder auch adulte Laktoseintoleranz: Bei dieser Form der Laktoseintoleranz kommt es im Entwicklungsverlauf zu einem Rückgang der Laktaseproduktion. Der daraus resultierende Laktasemangel ist individuell sehr verschieden. In der Regel bleibt eine mehr oder weniger große Restaktivität des Enzyms erhalten, sodass weiterhin Milchprodukte in Maßen verzehrt werden können. Die primäre Laktoseintoleranz kann eigentlich nicht als Krankheit eingestuft werden, sondern entspricht vielmehr einer normalen Anpassung and die im Laufe der Entwicklung veränderten Ernährungsgewohnheiten. Nur in der ersten Lebensphase ist Milch ein wichtiges Grundnahrungsmittel, danach kann auf andere Lebensmittel umgestiegen werden. Trotzdem ist eine Ernährungsumstellung bei dieser Form der Laktoseintoleranz die einzig wirksame Form der Therapie. Individuell müssen die verträglichen Mengen an Laktose ausgetestet werden.

Symptome einer Laktoseintoleranz

Die auftretenden Beschwerden sind sehr individuell und hängen mit der verzehrten Laktosemenge und der Restaktivität der Laktase zusammen. Zudem wird auch vermehrt diskutiert, dass die personenspezifische Darmflora einen Einfluss auf die Fähigkeit der Verdauung von Milch und Milchprodukten hat.

Die typischen Symptome, die bei einer Unverträglichkeit meist kurz nach dem Verzehr laktosehaltiger Speisen auftreten sind:

  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Aufstoßen
  • laute Verdauungsgeräusche
  • Durchfälle

Neben den Beschwerden, die den Verdauungstrakt betreffen leiden viele auch unter folgenden Symptomen:

  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Unwohlsein

Diagnose

Es gibt zwei gängige Methoden, um eine Laktoseintoleranz festzustellen.

Die erste Möglichkeit ist eine Weglass-Diät. Patienten, die mit den typischen Symptomen einer Laktoseintoleranz zu kämpfen haben, sollten mindestens für zwei Wochen eine laktosefreie Ernährung durchführen und ausschließlich auf laktosefreie Lebensmittel zurückgreifen. Gehen die Symptome nach der Diätphase weg, kann von einer Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker ausgegangen werden.

Beim Arzt lässt sich über den so genannten H2-Atemtest eine gesicherte Diagnose stellen. Hierbei wird das durch den bakteriellen Abbau entstehende Gas in der Ausatmungsluft des Patienten gemessen. Der Test wird aufgrund seiner guten Sensitivität und Spezifität zur eindeutigen Diagnose verwendet.

Behandlung

Jeder Betroffene ist individuell zu behandeln und zu beraten, da große unterschiede in der Toleranzgrenze bestehen können. Die meisten Betroffenen tolerieren kleine Mengen an Laktose meistens problemlos. Deshalb sollte auf eine laktosearme, jedoch nicht strikt laktosefreie Ernährung geachtet werden.

Besonders einfach zu identifizieren sind offensichtliche laktosehaltige Lebensmittel wie Milch, Joghurt, Quark, Sahne, Frischkäse und ähnliches. Wichtig ist es jedoch auch auf verborgene Laktosequellen insbesondere in Fertiggerichten zu achten. Laktose wird sehr häufig in verarbeiteten Produkten eingesetzt. Auf der Zutatenliste finden Sie Angaben wie Milchpulver, Magermilchpulver, Molke, Molkepulver und Milchserum wieder, welche Sie bei einer Intoleranz unbedingt meiden sollten.

Es ist wichtig anzumerken, dass eine Laktoseintoleranz zwar belastend sein kann und den Alltag beeinträchtigt, jedoch weder eine Schädigung des Magen-Darm-Traktes noch eine drastische Mangelerscheinung zu befürchten sind. Es ist deshalb unbedenklich und sogar empfehlenswert je nach Verträglichkeit Lebensmittel mit einem geringen Laktosegehalt in die Ernährung aufzunehmen. Hartkäse, Schafskäse und Ziegenkäse sind beispielsweise Lebensmittel, die nur kleine Mengen an Laktose enthalten und deshalb meist beschwerdefrei genossen werden können. Es hat sich in verschiedenen Untersuchungen gezeigt, dass sogar eine Steigerung der Milchverträglichkeit erreicht werden kann, wenn Milchprodukte langsam wieder in den Ernährungsplan eingebaut werden. Um solch eine Umstellung der Ernährung problemlos durchführen zu können empfehlen wir Ihnen einen Termin bei uns zu Ernährungsberatung zu vereinbaren.

Neben einer Ernährungsumstellung besteht außerdem die Möglichkeit, das fehlende Enzym Laktase in Form von Kapseln oder Pulver vor dem Verzehr laktosehaltiger Speisen zuzuführen.

Kalziummangel durch Laktoseintoleranz?

In unserer Ernährung sind Milchprodukte eine Hauptquelle für den Nährstoff Kalzium. Insbesondere für gesunde Knochen ist eine ausreichende Kalziumzufuhr von großer Bedeutung. Bei einer Laktoseintoleranz muss auf eine ausreichende Kalziumzufuhr geachtet werden. Das ist heute jedoch kein Problem mehr, da Ihnen eine große Anzahl an laktosefreien Produkten zur Auswahl stehen, die die Kalziumbedarf abdecken können. Jedoch ist es sinnvoll eine Ernährungsberatung zu besuchen, um sicherzustellen, dass Sie ihre Ernährungsumstellung korrekt durchführen und nicht der Gefahr eines Kalziummangels ausgeliefert sind.

Neueste Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

0

Pin It on Pinterest

Share This
Aufgrund einer Fructoseintoleranz muss die Ernährung umgestellt und angepasst werdenZöliakie