Alles wichtige über Hyperurikämie und Gicht

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  • Was versteht man unter Hyperurikämie?
  • primäre Hyperurikämie und Gicht
  • sekundäre Hyperurikämie und Gicht
  • Wie entsteht Harnsäure und wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäurespiegel?
  • Gicht – die verschiedenen Phasen einer Gichterkrankung
  • Medikamentöse Therapie von Hyperurikämie und Gicht
  • Ernährungstherapie bei Hyperurikämie und Gicht

Was versteht man unter Hyperurikämie?

Hyperurikämie ist eine typische Wohlstandserkrankung und aufgrund unseren heutigen Lebensstils, der durch hohen Fleisch- und Alkoholkonsum charakterisiert ist, immer öfter in unserer Gesellschaft vertreten. In Deutschland sind 20 Prozent der Menschen von erhöhten Harnsäurespiegeln betroffen und etwa 1-2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden an Gicht.

Da Gicht eine der wenigen rheumathoiden Erkrankungen ist, die geheilt werden kann, besteht besonderes Interesse daran, diese Erkrankung entsprechend zu therapieren. Eine Ernährungstherapie ist hierfür typisch und sehr erfolgreich.

Hyperurikämie ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der eine Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut vorliegt. Ab einer Serumharnkonzentration von über 6,5 mg pro dl Harnsäure im Blut spricht man von Hyperurikämie. Liegen die Harnsäurewerte höher als diese 6,5 mg pro dl ist die Löslichkeitsgrenze von Harnsäure erreicht und es besteht das Risiko, dass sie zu Uratkristallen kristallisiert. Diese Kristalle können sich schließlich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehen, in der Haut, im Ohrknorpel und in den Nieren ablagern. Die Uratkristalle führen zu einer Immunreaktion und fördern somit die Freisetzung von inflammatorischen also entzündungsauslösenden Zytokinen. Diese Entzündungen sind die typischen Schmerzen, die Gicht-Patienten bei einem Gichtanfall verspüren.

Zu den Risikofaktoren, die Hyperurikämie begünstigen zählen unter anderem:

zunehmendes Alter

Die Prävalenz für Gicht liegt zwischen 2 und 6%. Mit dem Alter steigt diese Prävalenz jedoch deutlich an. Bei Personen mit einem Alter von über 80 Jahren liegt die Prävalenz bereits bei über 12%.

männliches Geschlecht

Aufgrund der weiblichen Geschlechtshormone haben Frauen ein deutlich geringeres Risiko an Hyperurikämie und Gicht zu erkranken. Da mit dem Alter die Geschlechtshormone in ihrer Konzentration abnehmen, ist bei Frauen nach der Menopause ein deutlicher Anstieg des Gichtrisikos zu verzeichnen.

kalorische Überernährung

Ein erhöhter Body-Mass-Index ist ein bedeutsamer Risikofaktor für Gicht. Eine Reduktion des Körpergewichts ist eine sinnvolle und effektive Strategie, um das Gichtrisiko zu senken.

hohe Purinzufuhr

Ein hoher Konsum purinhaltiger Lebensmittel über die Ernährung steigert den Harnsäurepool im Körper und spielt damit eine wichtige Rolle für die mögliche Entstehung des Krankheitsbildes. Hier kann durch eine entsprechende Ernährungsumstellung entgegengewirkt werden. Mehr Tipps für eine purinarme Ernährung finden Sie weiter unten in diesem Artikel.

Alkoholkonsum

Alkohol fördert die körpereigne Harnsäurebildung und sollte deshalb insbesondere bei Risikopatienten reduziert werden.

Fruktosekonsum

Fructose fördert die körpereigene Harnsäuresynthese und hemmt zusätzlich den Abbau von Harnsäure. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass nicht Obst die Hauptaufnahmequelle von Fructose ist, sondern hier insbesondere Fertiggerichte und Softdrinks gemieden werden sollten.

genetische Prädisposition und Enzymdefekt

Bestimmte genetische Defekte können einen erhöhten Harnsäurespiegel begünstigen. Hier ist häufig das abbauende Enzym betroffen, sodass die Harnsäure nicht abgebaut werden kann und im Körper zunehmend akkumuliert.

primäre Hyperurikämie und Gicht

Wenn man von Hyperurikämie spricht, dann wird differenziert zwischen primärer und sekundärer Hyperurikämie.

Bei der primäre Hyperurikämie liegt ein genetischer Defekt zugrunde. Es handelt sich hierbei um eine angeborene Störung des Harnsäurestoffwechsels. Die primäre Hyperurikämie kann durch zwei verschiedene Mechanismen entstehen. Häufigste Ursache der primären Hyperurikämie ist eine gestörte renale Harnsäureausscheidung. Hierdurch können 99 Prozent der primären Hyperurikämien erklärt werden. Bei Betroffenen ist der Harnsäurespiegel erhöht, weil die Ausscheidung nicht ohne Probleme funktioniert. Den weiteren Anteil von einem Prozent, kann man durch das Problem der vermehrten endogenen Harnsäuresynthese erklären. Hier leiden Betroffene an einer gestörten körpereigene Harnsäurebildung, die sich letztendlich auch in erhöhten Harnsäurewerten widerspiegelt. Ursache ist hier der Mangel des Enzyms Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyl-Transferase.

sekundäre Hyperurikämie und Gicht

Bei der sekundären Hyperurikämie liegt keine genetische Disposition, sondern eine bestimmte Erkrankung zu Grunde, welche dann im Zentrum der Therapie steht. Zu den Krankheiten, die eine sekundäre Hyperurikämie begünstigen zählen z.B.

  • Niereninsuffizienz
  • gesteigerter Zellabbau bei Bluterkrankungen
  • ständig erhöhter Alkoholspiegel
  • entgleister Diabetes
  • Adipositas
  • metabolisches Syndrom

Wie entsteht Harnsäure und wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäurespiegel?

Harnsäure entsteht im Stoffwechsel durch körpereigene Synthese oder wird exogen über purinhaltige Lebensmittel zugeführt. Purine, die Vorstufen der Harnsäure, befinden sich in RNA, DNA, Nucleotiden, Nucleosiden und energiereichen Phosphaten. Da Harnsäure vom menschlichen Körper nicht abgebaut werden kann, muss sie ständig ausgeschieden werden. Dies erfolgt zu 20 Prozent über den Darm und zu 80 Prozent über die Niere. Bei zu hohen Harnsäurewerten ist die Harnsäure-Ausscheidung über die Niere gestört, was zu einem Anstieg des Harnsäurespiegels und in einer Ansammlung der Harnsäure in den Gelenken resultieren kann.

Lebensmittel, die besonders purinreich sind und in einer purinarmen Ernährung eher gemieden werden sollten sind:

  • Fleisch (vor allem rotes Fleisch, Wildfleisch, Innereien)
  • einige Fischsorten (insbesondere die Haut des Fisches ist problematisch)
  • Obstsäfte
  • mit Fructose gesüßte Getränke
  • alkoholische Getränke

Auch einige pflanzliche Lebensmittel haben einen relativ hohen Anteil an Purinen. In Untersuchungen konnte jedoch festgestellt werden, dass purinreiche, pflanzliche Lebensmittel wie Nüsse, Haferflocken, Spargel, Bohnen und Pilze nicht zu einem signifikanten Anstieg der Harnsäurewerte beitragen, weshalb diese weiterhin Bestandteil der Ernährung sein können.

Gicht – die verschiedenen Phasen einer Gichterkrankung

Die typische Folge von Hyperurikämie ist die Gicht (Arthritis urica). Von Gicht sind 2,8 Prozent der Männer und 0,45 Prozent der Frauen zwischen 30 und 59 Jahren in Deutschland betroffen.

Gicht ist eine entzündliche Gelenkerkrankung und tritt als Folgeerscheinung von Hyperurikämie auf. Die Gicht kann man in vier verschiedene Stadien einteilen:

asymptomatische Gicht

Es liegt bei dem Betroffenen bereits eine Hyperurikämie vor, jedoch sind noch keine Symptome vorhanden. In diesem Stadium wird die Erkrankung meist zufällig im Rahmen einer Laboruntersuchung entdeckt.

akuter Gichtanfall

Akute Gichtanfälle treten meistens ohne Vorwarnung in der Nacht oder nach üppigen Mahlzeiten auf. Eine Mahlzeit mit hohem Puringehalt kann also bereits schwerwiegende Folgen nach sich ziehen und akute Schmerzen verursachen. Die Schmerzen manifestieren sich häufig in Großzehen- und Daumengrundgelenken. Typische Symptome einer akuten Gicht sind:

  • sehr starke, plötzliche Schmerzen
  • Rötungen, Schwellungen und Überwärmung des betroffenen Gelenks
  • extreme Berührungsempfindlichkeit des betroffenen Gelenks
  • gelegentlich Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit
interkritische Phase

Beschreibt das Zeitfenster zwischen zwei akuten Gichtanfällen, die meist ohne Symptome verläuft. Die Veränderungen der Gelenke schreiten jedoch weiter voran.

chronische Gicht

Häufen sich die Gichtanfälle sind meistens auch andere Gelenke betroffen und man spricht nun von chronischer Gicht. Es kann zu chronischen Gelenkveränderungen und Harnsäuresteinen in den Nieren und den Harnwegen kommen.

Medikamentöse Therapie von Hyperurikämie und Gicht

Als Alternative zu einer Ernährungsumstellung oder bei besonders starken Schmerzen kann auf eine medikamentöse Behandlung zurückgegriffen werden. Bei akuten Gichtanfällen werden nichtsteroidale Antirheumatike verschrieben. Bei wiederholten Anfällen wird auf Urikostatika wie Allopurinol zurückgegriffen, die die Produktion von Harnsäure hemmen. Eine weitere Medikamentengruppe die eingesetzt werden kann, sind Urikosurika, die die Harnsäureausscheidung über den Urin steigern.

Nach einem akuten Gichtanfall werden zur entzündungshemmenden Wirkung häufig noch zusätzlich nicht Steroidale Antirheumatika (NSAR) verschrieben.

Ernährungstherapie bei Hyperurikämie und Gicht

Da Übergewicht und westliches Ernährungsverhalten die Prävalenz für Gicht erhöhen, ist eine Therapie mit einer gesunde Ernährung zur Behandlung zu empfehlen. Gicht ist eine Erkrankung die durch eine passende Ernährungsumstellung sehr effektiv behandelt werden kann. Meist können nach einiger Zeit die Medikamente wie Allopurinol reduziert oder sogar abgesetzt werden. In manchen Fällen kann sogar ein deutlicher Rückgang der Erkrankung bis hin zu Beschwerdefreiheit erreicht werden.

Bei der Ernährungsumstellung wird unterschieden zwischen einer streng purinarmen Diät und einer purinarmen Diät. Die streng purinarme Diät wird definiert durch einen täglichen Anteil von höchstens 300 mg Harnsäure am Tag oder auf die Woche verteilt 2000 mg Harnsäure. Als dauerhafte Diät ist diese durch das strenge Regelwerk jedoch ungeeignet und wird daher nur nach akuten Gichtanfällen verordnet.

Die purinarme Diät wird Patienten mit Hyperurikämie als dauerhafte Kost empfohlen, um so die Risiken eines Gichtanfalls vorzubeugen. Darunter versteht man höchstens 500 mg Harnsäure pro Tag oder 3000 mg Harnsäure in der Woche mit der Nahrung aufzunehmen.

Die Umsetzung dieser Diät ist in den Alltag gut einzubinden, wenn auf die richtige Auswahl purinarmer Lebensmittel konsequent geachtet wird. Da nicht alle Purine gleichwertig in Harnsäure umgewandelt werden, erfolgt die Angabe in Tabellen bei Lebensmitteln in mg Harnsäure. Bei dem Kauf von Lebensmittel ist auf diesen Wert also besonders Acht zu geben, um einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu erkennen.

Da Übergewicht einen großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat, wird als erster Schritt der Ernährungstherapie eine Gewichtsabnahme durch energiereduzierte Kost und zusätzliche körperliche Aktivität angestrebt. Es ist darauf zu achten, dass Fasten und Radikaldiäten vermieden werden sollten, denn der vermehrte Abbau von Körpersubstanzen wie Muskeln begünstigt die Bildung von Purinen im eigenen Körper. Der zusätzlich vermehrte Abbau von Fett steigert die körpereigene Produktion von Ketonkörpern, die die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren hemmen.

Generell sind bei einer purinarmen Diät keine drastischen Einschränken der Ernährung zu machen. Allerdings wird insbesondere von Innereien, Haut von Fisch und Fleisch, übermäßigem Fleischverzehr und Alkoholkonsum abgeraten, da diese Lebensmittel besonders hohe Puringehalte aufweisen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) macht zu purinarmer Diät einige praktische Angaben, bezieht sich aber in den Nährstoffrelationen auf die allgemein empfohlene vollwertige Ernährung. Der Proteingehalt sollte bei 15 bis 20 Energieprozent liegen und dabei sollte auf purinarme Eiweißquellen geachtet werden. Der Fettanteil sollte 30 Energieprozent nicht überschreitet, besonders wenn Gewichtsreduktion das Ziel ist. Der Kohlenhydratanteil sollte bei 50 bis 55 Energieprozent liegen. Bei den Kohlenhydraten ist zu beachten, dass Polysaccharide den Mono- und Disacchariden vorgezogen werden sollten. Besonders größere Mengen an Fructose, die in Softdrinks und Fruchtsäften vermehrt vorkommt, sollten gemieden werden. Ein zu hoher Fructosekonsum führt zu AMP-Akkumulation und diese wiederum zur Steigerung der körpereignen Harnsäuresynthese.

Um die Harnsäureausscheidung über die Niere zu fördern, ist eine ausreichende Trinkmenge von ungefähr zwei Litern Wasser oder Tee zu empfehlen. Aber auch der Verzehr von Kaffee, schwarzem Tee und Kakao ist unbedenklich, denn die enthaltenen Methylalkohol-Purine werden nicht zu Harnsäure abgebaut.

Wenn möglich, sollte gänzlich auf Alkohol, insbesondere Bier verzichtet werden, aufgrund der vermehrten Harnsäurebildung. Alkohol sollte aber zumindestens auf 1 Glas beschränkt werden. Als Alternative kann auf alkoholfreies Bier zurückgegriffen werden.

Bei der Ernährung ist es also besonders wichtig darauf zu achten purinarme Lebensmittel zu bevorzugen und purinreiche Lebensmittel zu meiden. Purinreiche Lebensmittel sind nicht gänzlich vom Ernährungsplan zu streichen, hierbei sind jedoch die Portionsgrößen zu beachten, damit die empfohlene Harnsäuremenge nicht überschritten wird.

Wir helfen Ihnen weiter

Wenn Sie die Diagnose Hyperurikämie oder auch Gicht gestellt bekommen haben und Hilfe bei der richtigen Ernährung brauchen, dann sind wir für Sie da. Mit Ihrem Engagement und unserer jahrelangen Erfahrung können wir Ihnen bei einer Ernährungsumstellung nach Ihren Bedürfnissen und Wünschen zur Seite stehen. Termine zur Ernährungsberatung und weitere Informationen erhalten Sie über folgende E-Mail-Adresse: info@wellaris.de

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