Fructoseintoleranz – Defekte des Kohlenhydratstoffwechsels

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Was ist Fructose / Fruchtzucker? 

Fruktose ist ein Einfachzucker auch Monosaccharid genannt, der umgangssprachlich häufig als Fruchtzucker bezeichnet wird. Er kommt vor allem in Obst und Obstsäften, Honig oder dem Haushaltszucker Saccharose vor. Der Haushaltszucker enthält Fructose, da es sich bei Saccharose um einen Zweifachzucker, zusammengesetzt aus Glucose und Fructose handelt.  

Was ist eine Fructosemalabsorption und wie entsteht sie? 

Die Verdauung von Kohlenhydraten beginnt im Mund durch Enzyme in unserem Speichel und wird anschließend im Magen fortgesetzt. Damit die Kohlenhydrate in unserem Darm auch richtig aufgenommen werden können, müssen die langen Ketten erst einmal in ihre Einzelbausteine zerlegt werden. Für diese Aufgabe gibt es spezifische Enzyme, die die Zuckerketten dann spalten können. Die Spaltprodukte, sogenannte Monosaccharide, können nun im Dünndarm absorbiert werden. Die Monosaccharide werden über spezifische Transportsysteme in die Darmzellen aufgenommen, um dann dort weiter verstoffwechselt werden zu können.

Durch Fructoseintoleranz die Ernährung im Alltag umstellen müssen

Fructose ist ein solches Monosaccharid und wird über den spezifischen GLUT-5 Transporter in die Dünndarmzellen transportiert. Bei einer Fructoseintoleranz ist die Funktion dieses Transporters eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden. Liegt ein solcher Defekt des Transporters vor, dann kann der Fruchtzucker nicht in die Dünndarmzellen aufgenommen werden und typische Unverträglichkeitsreaktionen laufen ab.

 

Fructosemalabsorption

Bei der Fructosemalabsorption kann Fructose also nur begrenzt oder gar nicht über den Dünndarm in die Zellen aufgenommen werden. Das hat zur Folge, dass die Fructose aus dem Dünndarm unverdaut in den darunter liegenden Dickdarm gelangt. Im Dickdarm wird der nicht absorbierte Fruchtzucker nun von Bakterien aufgenommen und abgebaut. Als Abbauprodukte entstehen Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettigen Fettsäuren. Die Produktion von Kohlendioxid ist für die typischen Blähungen verantwortlich und die Bildung von kurzzeitigen Fettsäuren sorgt für  Durchfälle. Sowohl Blähungen als auch Durchfälle sind typische Symptome, die bei Personen mit Fructosemalabsorption nach dem Konsum von fructosehaltigen Lebensmitteln häufig auftreten.

Zurzeit ist noch nicht bekannt, aus welchen Gründen es zu dem Transportdefekt im Darm kommt. Man geht jedoch davon aus, dass sich eine Ernährungsumstellung positiv auf die Beschwerden auswirkt und sich die Verträglichkeit gegenüber Fructose langsam wieder steigern lässt.

Diese Malabsorption von Fructose wird im alltäglichen Gebrauch auch häufig als Unverträglichkeit bezeichnet. Hier sei schon mal erwähnt, dass es sehr wichtig ist, die Fructose-Malabsorption oder auch Unverträglichkeit gegenüber Fructose von der Fructoseintoleranz strikt anzugrenzen. Bei einer Fructoseintoleranz handelt es sich um eine sehr seltene angeborene Stoffwechselstörung, bei der vollständig auf Fructose verzichtet werden muss. Bei der Malabsorption kann Fructose zwar nicht von den Dünndarmzellen aufgenommen werden, wodurch es zu Unverträglichkeiten kommt. Jedoch lösen kleinen Mengen des Fruchtzuckers hier keine kritischen Probleme aus, was bei einer Fructoseintoleranz dagegen durchaus der Fall sein kann, weshalb Fructose komplett aus der Ernährung gestrichen werden muss. Mehr zur Fructoseintoleranz finden Sie unten im Artikel.

 

Große Mengen Fruchtzucker können auch bei gesunden Menschen Beschwerden auslösen

 

Bei einem häufigen Verzehr von Obst, Obstsäften oder Süßigkeiten nehmen wir automatisch große Mengen an Fructose auf. Mit großen Mengen von über 35 Gramm Fructose pro Stunde haben nicht nur Menschen mit einer Absorptionsstörung Probleme, sondern auch völlig gesunde.

Wenn Sie also die typischen Symptome einer Unverträglichkeit nach großen Obstmahlzeiten bemerken, liegt dies wahrscheinlich daran, dass Sie ihr Transportsystem schlicht und einfach überlastet haben. Auch hier treten dann Blähungen und Magen-Darm-Beschwerden auf. Liegt bei Ihnen jedoch keine Malabsorption von Fructose zugrunde, dann flachen die Beschwerden schnell wieder ab. Bei Patienten mit einer Fructosemalabsorption sieht das jedoch anders aus.

Die Symptome bleiben meist längere Zeit zu spüren und außerdem treten diese bereits bei Relativ geringen Mengen an Fructose in der Nahrung auf. Ab wie viel Gramm die Symptome auftreten ist sehr individuell und muss daher über Anpassung der Ernährung herausgefunden werden. Am besten suchen Sie dafür eine Ernährungsberatung aus. In einem persönlichen Gespräch lässt sich die Umsetzung einer gesunden Ernährung auch mit einer Fructoseintoleranz vereinbaren.

Symptome einer Fructosemalabsorption

Leitsymptome der Fructosemalabsorption sind gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen und Durchfälle. Es ist jedoch anzumerken, dass etwa die Hälfte aller Betroffenen gar keine Symptome aufweist. Ob und wie stark Symptome nach dem Verzehr von Fructose auftreten, hängt ganz wesentlich von der Art und Menge der Bakterien ab, die den Dickdarm besiedeln. Denn diese Bakterien beeinflussen in welchen Mengen Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren gebildet werden, die letztendlich für die Symptome einer Fructosemalabsorption verantwortlich sind.

Meist bleibt eine Fructosemalabsorption lange unbekannt, da die Symptome sehr unspezifisch sind und beispielsweise oft auf den ersten Blick mit anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie z.B. einer Laktoseintoleranz assoziiert werden. Bei unspezifischen Reaktionen wie Bauchschmerzen und Durchfall ist es sinnvoll einige Tage das Ernährungsverhalten und die Symptomatik genauestens zu dokumentieren. Treten bei Ihnen insbesondere kurz nach dem Konsum fructosehaltiger Lebensmittel (Obst, Obstsäfte, Süßigkeiten, light-Produkte u.ä.) gastrointestinale Beschwerden auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um sich eine Fructosemalabsorption diagnostizieren zu lassen.

Eine Fructosemalabsorption wird oft auch fälschlicherweise als Reizdarmsymptome diagnostiziert. Die Betroffenen klagen hierbei über Bauchschmerzen, Blähungen, zeitweises Auftreten von Bauchkrämpfen, lauten Darmgeräuschen und Durchfall. Diese Symptome sind auch bei einer Fructosemalabsorption häufig anzutreffen. Deshalb ist es wichtig, bei einem Arzt einen Wasserstoffatemtest durchzuführen, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Bei einem Arztbesuch lässt sich ein solcher Test leicht durchführen.

Die bereits genannten Symptome sind sehr individuell und können bei jedem Patienten ein unterschiedliches Ausmaß haben. Deshalb ist es von großer Bedeutung das jeder, der an einer Fructosemalabsorption leidet, seine individuell verträgliche Fructosemenge findet und seine Ernährung dementsprechend anpasst, um die Beschwerden zu minimieren.

Die typischen Symptome einer Fructosemalabsorption auf einen Blick:

  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • laute Bauchgeräusche
  • Bauchkrämpfe
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Durchfälle

Diagnose der Fructosemalabsorption

Bevor Sie ihre Ernährung auf eine fructosearme Ernährung umstellen, sollten Sie sich von einem Arzt die Diagnose stellen lassen. Führen Sie eine fructosearme Ernährung erst nach einer ärztlichen Diagnose durch, da sonst die Ergebnisse des Tests sonst oftmals keine Unverträglichkeit erkennen lassen.

Üblicherweise stellt man die Diagnose Fructosemalabsorption nach einem positiven Wasserstoff-Atemtest (auch H2-Atemtest genannt). Für den Test muss der Patient auf nüchternen Magen 50 Gramm Fruchtzucker aufnehmen und danach seinen Atem analysieren lassen. Wenn die Konzentration des Wasserstoffs in der Atemluft einen gewissen Wert überschreitet, dann spricht man von einer Unverträglichkeit gegenüber Fructose.

Behandlung der Fructosemalabsorption

Bei einer Fructosemalabsorption ist der Haupttherapieansatz die Reduktion des Fruchtzuckers in der Ernährung. Neben Fructose muss dann auch der Konsum von Sorbit vermieden werden.

 

Warum bei einer Unverträglichkeit gegenüber Fructose auch Sorbit meiden?

Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der in vielen Obstsorten, kalorienreduzierten Lebensmitteln (Light-Produkten) und zuckerfreien Getränken enthalten ist. Bei einer Fruktosemalabsorption sollte dieser gemieden werden, denn Sorbit blockiert den GLUT-5 und verhindert somit die Absorption der Fructose. Dies kann dadurch zur deutlichen Verschlechterung der Symptome beitragen.

 

Warum Saccharose kein Problem ist und sogar Vorteile bietet:

Saccharose besteht zu gleichen Teilen aus Glucose und Fructose. Auf den ersten Blick lässt sich daher vermuten, dass Saccharose aufgrund seines Fruchtoseanteils bei einer Unverträglichkeit auch gemieden werden sollte. Hier ist jedoch nicht der Fructoseanteil, sondern der Anteil an Glucose ist von besonderem Interesse. Bei gleichzeitiger Anwesenheit von Glukose und Fructose im Darm kann Fructose nämlich besser von den Transportsystemen aufgenommen werden. Aus diesem Grund wird dann Saccharose und Lebensmittel mit Saccharose meistens gut vertragen und kann sogar die Verträglichkeit von fructosehaltigen Lebensmitteln steigern. Oft wird beispielsweise Obst in Kombination mit Traubenzucker von Personen mit einer Unverträglichkeit gegenüber Fructose besser vertragen, als reines Obst, da Glucose aus dem Traubenzucker den Transport fördert.

Liste mit Lebensmitteln, die grundsätzlich schlechter vertragen werden:

  • alle Obstsorten, Trockenfrüchte und Fruchtsäfte
  • einige Gemüsesorten wie Artischocken, Auberginen, Broccoli, Karotten, Kürbis, Tomaten
  • Honig
  • Früchtetee
  • Wein
  • Fertigprodukte
  • light-Produkte mit Süßstoff

Die Verträglichkeit von Lebensmitteln mit Fructose und Sorbit müssen Sie individuell testen, da das Ausmaß der Symptome nach Fructosekonsum von Person zu Person stark schwanken können.

Liste mit Lebensmitteln, die grundsätzlich gut vertragen werden:

  • Getreide und Getreideprodukte
  • Kartoffeln
  • Milchprodukte (ohne Früchte)
  • das meiste Gemüse
  • Nüsse
  • unverarbeitetes Fleisch und unverarbeiteter Fisch
  • Eier
  • Kaffee
  • Schwarztee und Kräutertee
  • Butter, Margarine, Pflanzenöle
  • Traubenzucker

Abgrenzung zur hereditären Fructoseintoleranz

Die oben beschriebene Fruktosemalabsorption ist streng von der sogenannten hereditären Fructoseintoleranz abzugrenzen. Bei der hereditären Fructoseintoleranz handelt es sich um eine erblich bedingte Stoffwechselstörung. Diese Stoffwechselstörung ist angeboren und kommt nur sehr selten vor. Lediglich 1 von 20.000 Neugeborenen ist von dieser Stoffwechselstörung betroffen. Ursache für die auftretenden Symptome ist ein Gendefekt, durch den Fruktose und Sorbit zwar aufgenommen, aber nicht weiter verstoffwechselt wird.

Der Gendefekt führt dazu, dass die Aktivität des Enzyms Fructose-1-Phosphat-Aldolase (Aaldolase B) deutlich herabgesenkt ist. Das führt dann dazu, dass das Abbauprodukt der Fructose, das Fructose-1-Phosphat, in der Leber, Niere und im Darm akkumuliert. Die hohe Konzentration des Fructose-1-Phosphats hat dadurch schwerwiegende Folgen für den gesamten Organismus, da so weitere Reaktionsschritte im Kohlenhydratstoffwechsel blockiert werden. Einfach formuliert lässt sich darum sagen, dass die Versorgung des Körpers mit der lebenswichtigen Glucose negativ beeinträchtigt wird. Die Folge ist eine, im schlimmsten fall lebensbedrohliche Hypoglykämie.

Große Mengen des Fructose-1-Phosphat wirken zudem toxisch auf verschiedene Gewebe des Körpers, was zu vielfältigen Entwicklungsstörungen bei den betroffenen beiträgt.

Bereits bei kleinsten Mengen von fructose- oder saccharosehaltiger Kost treten bei den Betroffenen Unverträglichkeitssymptome wie Durchfall, Erbrechen und Bauschmerzen auf, deshalb sind Lebensmittel dieser Art gänzlich vom Speiseplan zu streichen.

Neben den gastrointestinalen Beschwerden ist aufgrund der Toxizität des Fructose-1-Phosphats jedoch auch mit schwerwiegenden Symptomen zu rechnen, wenn man sich nicht an die fructosefreie Ernährung hält.

Zu den chronischen Symptomen gehören u.a.: 

  • Leberinsuffizienz oder Leberversagen
  • Gerinnungsstörungen
  • Gedeihstörungen
  • Azidose
  • Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie)

Die ersten Symptome treten meisten bereist in der ersten Lebensmonaten auf, wenn der Säugling neben der Muttermilch auch andere Nahrung zu sich nimmt. Dann sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Behandlung der hereditären Frutoseintoleranz

 

Vorab sei gesagt, dass eine Fructoseintoleranz nicht geheilt werden kann und eine fructosefreie Ernährung ein Leben lang sehr streng eingehalten werden muss. Dieser Ernährungsweise geht mit deutlich mehr Einschränkungen einher, als eine Ernährungsumstellung bei einer Fructosemalabsorption.

Wie oben bereits erklärt müssen Betroffene eine strikte Diät einhalten. Die Ernährung darf keine Fructose, kein Sorbit (den Zuckeralkohol der Fructose) und keinen Zucker, der Fructose enthält (Saccharose/Haushaltszucker) enthalten.

Hier ein kleiner Überblick (nicht vollständig) über verbotene und erlaubte Lebensmittel bei einer Fructoseintoleranz:

  • verboten: Honig, Marmelade, Süßigkeiten mit Sorbit/Fructose/Saccharose
  • erlaubt: Traubenzucker, Milchzucker
  • verboten: Backwaren mit Zucker (Achtung: Glucose-Fructose-Sirup!)
  • erlaubt: Kartoffeln, Brot/Backwaren ohne Zucker, alle Getreidesorten
  • verboten: Milchprodukte gesüßt und/oder mit Früchten
  • erlaubt: ungesüßte Milch und Milchprodukte
  • verboten: verarbeitetes Fleisch, verarbeiteter Fisch
  • erlaubt: frisch, unmariniert und unverarbeitetes Fleisch/Fisch
  • verboten: Ketchup, Tomatenmark, Gewürzmischungen, Mayonnaise
  • erlaubt: alle reinen Gewürze
  • verboten: Frucht-/Gemüsesäfte, Früchtetees, Alkohol, Limonade
  • erlaubt: Wasser, Kaffe, Schwarztee, Kräutertee
  • mit Artz/Ernährungsberater abklären, welche fructosearmen Obst- und Gemüsesorten für Sie in Ordnung sind

Wir helfen Ihnen weiter

Wenn Sie die Diagnose Fructosemalabsorption oder auch Fructoseintoleranz bekommen und Hilfe bei der richtigen Ernährung brauchen, dann sind wir für Sie da. Mit Intoleranzen haben wir jahrelange Erfahrung und können Ihnen bei einer Ernährungsumstellung nach Ihren Bedürfnissen und Wünschen zur Seite stehen. Termine zur Ernährungsberatung und weitere Informationen erhalten Sie über folgende E-Mail-Adresse: info@wellaris.de

Ihr Interesse an diesem Thema wurde geweckt? Wenn Sie weitere Fragen haben, dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf oder tragen sich in einen unserer Kurse ein!

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